Blue Mountains und Richtung Outback
Drei Tage hielt der Nieselregen mit Nebel in den Blue Mountains an und wir machen es uns in dem Hotel gemütlich.
Schließlich gewinnt die Sonne wieder die Oberhand und die Erkundung des Welt-Kulturerbes beginnt.

Die Blue Mountains liegen auf einem ca. 1.000 m hohem Hochplateau und über Jahrmillionen schufen Wasser, Wind und Erosion den Canyon mit seinen steilen Klippen. Im Tal schimmern die Eukalyptusbäume leicht bläulich und es riecht nach Eukalyptusöl. Zahlreiche wunderschöne Tages oder Mehrtageswanderungen durchziehen den Canyon. Von der Canyon Kante bieten zahlreiche Aussichtspunkte, atemberaubende Blicke in das Tal. Da die Wege noch sehr nass sind, bestaunen wir die Blue Mountains dieses Mal von oben.
2019/20 wurde der Nationalpark von heftigen Waldbränden heimgesucht, Wohnhäuser brannten ab und Tiere und Bäume fielen den Flammen zum Opfer. Obwohl große Flächen abbrannten, sind die von uns bestaunten Gebiete zum Glück nicht davon betroffen.







In Canbarra diskutierten wir mit Peter die Auswirkungen der heftigen Regenfälle im Norden Australiens, unser nächstes Ziel, auf unserer Reiseroute.
Im Norden Australiens herrscht im Sommer stets Regenzeit mit guten Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit. Dieses Jahr war es mit zahlreichen Cyclonen und heftigen Regenfällen extrem. Straßen sind gesperrt und ganze Gebiete stehen unter Wasser. Bis das Wasser abgeflossen ist dauert es Wochen und wesentlich länger als normalerweise. Die Teerstraßen sind bald wieder passierbar, doch Schotterstraßen sind ein anderes Thema. Auf ihnen fährt man häufig durch Flußbette, der Regen hat die Straßen aufgeweicht und viele müssen erst gegraded (geglättet) werden, bevor sie wieder passierbar sind.
Um möglichen Problemen vorzubeugen beschließen wir unsere Reiseroute anzupassen und nicht wie geplant von Sydney nach Brisbane zu fahren, sondern auf der Höhe Sydneys ins Landesinnere. Die Gegend kennen wir noch nicht, In Adelaide sehen wir Tom und seine Familie wieder, können den anstehenden Service von Snowy machen und Susi muss nicht von Brisbane nach Adelaide fliegen, sondern wir können direkt mit dem Auto zu ihrem Spritztermin nach Adelaide fahren.
Peter hatte uns auf die Idee gebracht und obendrauf noch eine Route mit interessanten Punkten vorgeschlagen, der wir nun folgen.


Der erste ist der Glow Worm Tunnel, ein wenig bekannter Ort, was wahrscheinlich besser für die Bewohner ist, wenn es so bleibt.
Der Tunnel liegt im Wollemi NP. Im Jahr 1907 wurde der Tunnel durch den Fels gegraben, so dass der Zug später durchfahren konnte. Bereits 1932 stellte man den Betrieb der Strecke wieder ein und überließ den Tunnel der Natur und sich selbst.
Glow Worms sind keine echten Würmer sondern kleine Larven einer Pilz-Mücken-Art. Sie erzeugen ein faszinierendes blau-grünes Licht mit dem sie ihre Beute anlocken und leben in Höhlen oder feuchten Schluchten. Nachdem der Tunnel aufgegeben wurde, entdeckten sie ihn und zogen ein. Die Dunkelheit und das kleine Bächlein das durch ihn fließt sind ein idealer Lebensraum für sie.

Wir fahren erst mal auf einer 30 km langen Schlagloch durchsetzten Schotterpiste und wählen den längeren Wanderweg um zum Tunnel zu gelangen. Wissen nicht so recht was uns erwartet und gehen mit mulmigen Gefühlen in die Höhle. Kein Licht, es wird immer dunkler bis wir die Hand nicht mehr vor den Augen sehen. Zum Glück hat die Parkverwaltung einen Handlauf durch die Höhle gezogen an dem wir uns entlang hangeln können. Dafür glitzern an den Wänden herrliche kleine Punkte, die Ähnlichkeit des Sternenhimmels in dunklen Nächten haben. Knapp 400 m zieht sich der Tunnel in vollständiger Dunkelheit dahin und am Ende sind wir froh wieder ans Licht in eine feuchte Regenwaldoase zu kommen. Die Natur hat sich den Ort in den 100 Jahren seit des menschlichen Eingreifens wieder für sich zurückgeholt und strahlt in aller Schönheit. Wie so oft sind wir auch hier ganz für uns allein.
















Und weiter geht es ins Capertee Valley dem breitesten Canyon der Welt. Canyon ist vielleicht der falsche Name dafür, da das Tal zwar von Felswänden umgeben ist, der Boden jedoch eine riesige grasbewachsene Ebene darstellt. Dort besuchen wir den Coorongooba Campground im Wollemi NP, an einem Bach, umgeben von Canyonwänden.
Für unseren Geschmack besiedeln ihn viel zu viele zutrauliche Guanas, die durch das ständige Füttern der Camper ihre Scheu vor dem Menschen verloren haben. Mit ihren Krallen und dem zuschlagenden Schwanz sind sie mit Respekt zu behandeln.




Das Bachbett mit seinem Sand ist klasse, ziehen uns die Schuhe aus und wandern stromabwärts bis wir an einen tiefen Pool gelangen und eine Schwimmpause einlegen.




Der Ort Glen Davis, kurz vor dem Park hat seine prosperierende Zeit hinter sich. Zur Blütezeit 1944 lebten 25.000 Menschen in der Stadt, doch als sich die Industrie (Ölgewinnung) zurückzog verließen auch die Menschen diesen Ort und heute leben nur noch 24 Menschen hier.
Wer seine Ruhe sucht und die Abgeschiedenheit nicht scheut findet eine Oase des Friedens.
Um zumindest zeitweise Besucher anzulocken bietet der Ort einen schönen Campingplatz mit warmen Duschen auf Basis einer Donation.

Je kleiner die Orte werden, umso aufmerksamer und freundlicher werden die Bewohner zueinander. Erfahren zufällig von einem abendlichen Treff bei dem jeder etwas zum Essen mitbringt. Auch wir sind gegen einen kleinen Obolus herzlich eingeladen und verbringen in der Gemeinschaft einen unterhaltsamen Abend mit leckerem Essen. Selbst unseren Salat, den wir beisteuern wird aufgegessen.


Von Dominik einem gebürtigen Italiener erfahren wir, dass er mit seiner Frau in der Gegend ein Café betreibt. Nachdem die Cappuccinos in Australien recht milchlastig geworden sind, probieren wir seinen am nächsten Tag aus. In einem urigen Lokal mit herrlichem Panorama lassen wir uns seinen leckeren Cappo schmecken, der dem Italiener alle Ehre macht.



Ebenso im Wollemi NP angrenzend an das Capertee Valley besuchen wir den Ganguddy-Dunns Swamp Park. Der breite Flussabschnitt entstand 1922 nach dem Bau eines Wehres welches den Gudegang River staute für ein Zementwerk in einer näheren Stadt. Jetzt ist der gestaute Fluss ein idyllischer Ort. Der Campingplatz liegt um eine Pagoden-Sandsteinformation, der See lädt zum Schwimmen oder paddeln ein und Wanderwege führen entlang des Gewässers.










Auf der Weiterfahrt kommen wir an der Minenstadt Muswellbrook vorbei, füllen unsere Gasflasche auf und auch unsere Lebensmittelvorräte. An einer belebten Straße gibt es einen Cappu.

Den Barrington Tops NP steuern wir darauffolgend an. Die Landschaft entstand aus einem uralten Vulkanplateau, welches 300 – 400 Millionen Jahre alt ist. Seit dieser Zeit schuf die natürliche Erosion durch Wind, Wasser und Frost die heutigen Hochflächen, Täler und Granatformationen.
Mit 1.500 Metern liegt er für australische Verhältnisse ziemlich hoch. Die Wälder sind wie ein Fenster in die Urzeit und zeigen Vegetationen aus der Zeit des Monsterkontinents Gondwana.
Mit Recht wurde er in die Liste der UNESCO Weltnaturerbe aufgenommen.
Auf einem urigen Campingplatz in luftiger Höhe schlagen wir bei schönstem Wetter unser Lager auf und erkunden am nächsten Tag den Park mit seinen Besonderheiten.











Der Park ist bekannt für seine schnellen Wetteränderungen, welche sich als richtig herausstellen. Bei schönstem Wetter kommen wir nach der Fahrt durch den Park zurück zum Camp und genießen unseren Kaffee. Die Wolken ziehen immer mehr zusammen und abends fängt es leicht zu tröpfeln an, was unter unserem Tarp kein Problem ist. Als der Wind auffrischt und die Temperaturen nach unten gehen, ziehen wir uns ins Zelt zurück und erleben eine stürmische, regnerische und kalte Nacht. Zum Glück macht das Zelt einen super Job und wir bleiben trocken. Der andauernde Regen am Morgen lässt uns in den überdachten Pavillon zurückziehen, wo wir mit anderen Campern, dass Beste aus der Situation machen und uns bei eisigen Temperaturen das Frühstück schmecken lassen.
Die kurze Regenpause wird zum Packen des Zeltes genutzt und sind froh haarscharf am Einschneien vorbei gerutscht zu sein, nachdem die Temperatur um 10.00 Uhr immer noch bei schlappen 3 Grad liegt. Beim Verlassen des Parks schauen wir ins sonnige Tal.









Der Kaputar NP weist eine ähnliche geologische Geschichte auf wie der Barrigton Tops NP, nur schufen erst vor 20 Millionen Jahren Vulkane das Hochplateau, welches durch das weiche Gestein schneller dem Abbau durch Erosion erlag. Wir erleben ein bewaldetes Hochplateau mit weiten Aussichten, Bächen, Wanderungen und schönen Campingplätzen.









Bereits der Kapartur NP liegt westlich der Continental Devide einer Klima und Wasserscheide und war bereits trockener als der Barrigton Tops NP. Wir folgen der Richtung und kommen zunehmend in eine offene flache, ebene Busch- und Graslandschaft die später ins Outback übergeht.
Ein wenig benutzter Golfplatz in Bellata, einer kleinen Stadt, bewog die Bewohner ihn auch Campern gegen Donation anzubieten. Folgen dem Angebot und campen im Schatten von Bäumen am Rande des Golfplatzes und bereiten dort den nächsten Post vor.


Impressionen
















































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Veröffentlicht am 29. März 2026, in 2026, New South Wales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.
Mal wieder ein super interessanter Einblick in eure Reise. Vielen Dank auch für die vielen tollen Fotos 🤗🫶❤️😘
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