Planänderung und ab nach Western Australia
Auf dem Weg nach Adelaide steuern wir erneut Mildura an. Ist nicht das erste mal und wahrscheinlich neben Adelaide die meist besuchteste Stadt Australiens von uns. Ist auch ein entspannter Ort mit dem hervorragenden Camp am Murray River und den Annehmlichkeiten einer Kleinstadt. In der Bücherei kennen sie uns schon und wir erstellen in aller Ruhe den letzten Post. Die morgendlichen Nebelschwaden am Fluss zeigen, dass der Herbst eingezogen ist und die Temperaturen kälter werden. Ein Feuer wärmt uns am Abend.



Über Renmark am Murray, wo wir den alten liebevoll renovierten Raddampfer besichtigen erreichen wir Tom und Familie. Hatten nicht erwartet uns so bald wieder zu sehen und zur Feier des Tages verbringen wir den Abend zusammen in einem netten Lokal. Der Service für Snowy läuft reibungslos, die Reifen sind noch gut für weiter 10.000 km und Susi erhält bei Dr. Kette die „geliebte“ Wespen-Spritze, zum Glück ohne mit dem Flugzeug anreisen zu müssen. Im Adelaider Markt werden die Vorräte aufgefüllt und nach 3 Tagen geht die Reise weiter.


Nur wohin, das ist die große Frage, da das ungewöhnliche Wetter in Australien nicht mit unserer Reiseplanung harmoniert. Der geänderte Plan in Canberra sah vor mit der Reise nach Norden zu warten und zuerst für 6 Wochen nach Süden zu fahren, bevor es nach Norden geht. In der Zwischenzeit sollten die Tracks wieder passierbar sein, so die Überlegung. Die Realität sieht anders aus. Der Birdsville Track, unsere erste geplante Station auf der Reise von Adelaide aus ist weiterhin wegen Wasserschäden gesperrt. Irgendwie fühlt es sich nicht gut an, laufend die Route zu ändern, nur bleibt uns nichts anderes übrig. Um weiteren Straßen Sperrungen im Norden zu begegnen, entscheiden wir die Reise nicht gegen den Uhrzeigersinn durchzuführen sondern ab jetzt im Uhrzeigersinn. Der Wermutstropfen dabei ist, dass uns die nächsten 6 Wochen kältere Temperaturen erwarten und nicht immer die Sonne scheinen wird.
Nach all den Überlegungen gehts nun von Tom in Richtung Perth und in Western Australia hoch nach Darwin. Bis wir im Norden sind, ist dort später Frühling und die Straßen sollten alle passierbar sein, so die Hoffnung.

Eyre Peninsula, eine Landzunge westlich von Adelaide wurde uns schon oft empfohlen. Bis jetzt scheiterte der Besuch an schlechtem Wetter oder Zeitmangel. Dieses mal versuchen wir es und besuchen diese wilde Küstenlandschaft. Sie zeichnet sich durch raue Küsten mit wenig Baumbewuchs und zahlreichen Campingmöglichkeiten aus. Die erste Nacht verbringen wir auf einem kleinen Platz an einer Lagune. Die friedliche Morgenstimmung begrüßt uns und wir genießen sie. In Port Lincoln und Umgebung erwarten uns zahlreiche Küsten, kleine Städtchen, Camps und Sanddünen.











Togo lernten wir vor 11 Jahren bei Voytek und Margaret auf Ihrer Terrasse in Melbourne kennen. Mit seinem Campertrailer zieht er durch das Land. Wir hatten uns mit ihm auf dem Campingplatz verabredet, wo er sich gerade aufhält. Er meistert sein entbehrungsreiches Leben hervorragend und freuen uns sehr ihn gesund und munter wieder zu sehen. Zusammen verbringen wir einen schönen Abend und schlagen das Zelt neben seinem schönen Campingplatz auf.
Am nächsten Tag hat Togo einen KFZ-Werkstatttermin und wir setzen die Reise nach dem leider nur kurzen Besuch fort.















Das Ziel der Acraman Creek Conservation Park am Meer. Eine Schotterstraße sollte uns dort hin bringen. Zuerst geht auch alles gut, nur nach wenigen Kilometern kommt ein Schild mit der Info, dass die Straße gesperrt ist und gleich darauf wissen wir auch warum. Eine Sanddüne hat sich über die Straße geschoben und macht die Passage für uns unpassierbar. Sehen zwar Spuren von Autos, die über die Düne zur dahinterliegenden Straße führen, doch wollen wir das Risiko in dieser einsamen Gegend nicht eingehen. Der Tag ist schon weit fortgeschritten und kurzerhand entscheiden wir das Zelt auf der Düne aufzuschlagen. Ist eh keiner hier und es spricht nichts dagegen die Nacht an diesem außergewöhnlichen Platz zu verbringen.









Durch die Nullarbor im Niemandsland führt eine 1.500 km lange Straße, um nach Westen zu kommen. Städte sind Mangelware, doch zumindest gibt es ca. alle 350 km ein Roadhouse, wo Snowy seinen Durst löschen kann und wir bei Bedarf unseren Appetit. Zum Glück finden sich neben der Staße zahlreiche qualitativ unterschiedliche Bush Camps, wo wir die Nacht verbringen können.
Auf ihr findet sich auch die längste gerade Straße Australiens. 146,6 Kilometer zieht sich der Highway schnurgerade durch das Outback. Statistisch gesehen sollen auf dieser Strecke mehr Unfälle passieren als auf kurvigen Straßenabschnitten. Spannend sind die zahlreichen Aussichtspunkte am Meer und die Höhlen, die durch das umliegende Kalkgestein entstanden sind.







Auf die Spannung am Quarantäne Checkpoint beim Überschreiten der Landesgrenze von South Australia nach Western Australia hätten wir verzichten können. Die Kontrollen zielen darauf die Ausbreitung von unerwünschten Samen, Insekten in Obst oder Gemüse zu verhindern. Und wir kommen an eine übergenaue Kontrolleurin. Sie will alles sehen und müssen fast den halben Wagen ausladen. Unsere Kisten mit den Lebensmitteln haben es ihr angetan. Aus Platzgründen sortieren wir die im Gebrauch befindlichen Lebensmittel in kleinen Boxen, also außerhalb der noch geschlossenen Verpackung. Das gefällt ihr gar nicht und müssen uns von Kümmel, Italienischen Kräutern, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch trennen. Den Buchweizen können wir nach langer Diskussion retten. Am besten ist dann noch, dass sie 470 A$ Strafe von uns verlangt und nur aus Kulanz darauf verzichtet. Wenig amüsiert verlassen wir den Grenzposten und es dauert ne Weile bis wir wieder runter kommen.
Im Balladonia Roadhouse, gegen Ende der langen Strecke, wird aufgetankt und nehmen die Abkürzung über die Balladonia Road, eine hoppelige Schotterstraße, zum Deralinya HomeStead. In den 1890er Jahren als Schafstation erbaut und seit 1926 verlassen, verfiel das kleine Steingehöft. In der Annahme dieser Tatsache öffnen wir ohne anzuklopfen die Wohnhaustür und sind überrascht uns in einer Wohnung zu befinden. Entschuldigungsformeln rufend und peinlich berührt machen wir uns auf den Rückzug, doch Roger, ein betagter älterer Herr fordert uns auf zu bleiben. Er freut sich in der Einsamkeit über Besucher und erzählt stolz, dass er mit Freunden und Familie 1990 das verfallene Anwesen übernahm und sie es zusammen liebevoll renovierten. Seit 6 Jahren lebt er nun als zurückgezogenen Eremit in dem renovierten kleinen Anwesen.






Hätten auch bei ihm campen können, doch wollen wir weiter zum Cape Arid NP. Nachträglich war es die falsche Entscheidung, denn kurz vor dem Park auf der Teerstraße passierte es.
Thomas fährt mit 100 km/h auf der leeren Landstraße ,als plötzlich von links aus dem Gebüsch ein graues Känguru mit einem großen Sprung direkt vor Snowy landet. Es geht so schnell, dass für eine Reaktion keine Zeit bleibt. Es gibt einen riesen Schlag und schon ist alles vorbei. Der Ablauf ereignete sich in Millisekunden und erst nachträglich bleibt Zeit für eine Rekapitulation des Unglücks.
Obwohl erst 16.15 Uhr, beginnen Kängurus bereits um diese Zeit aktiv zu werden und vermehrt die Straßen zu überqueren, ähnlich unserer Rehe. Snowy hat eine Bullbar (Rammschutz) und das männliche Känguru mit seinen ca. 35 kg landete genau in der Mitte von Snowy. Das war unsere Rettung, erstens stießen wir mit ihm zusammen, als es nach seinem Sprung bereits wieder am Boden war, durch die Kollision genau in der Mitte des Autos blieb Snowy stabil auf der Straße, Snowys Bullbar tat dann sofort seinen großartigen Job und das Gewicht des Wagens sein übriges. Uns ist zum Glück außer dem Schrecken nichts passiert, die beschädigte Bullbar ist dabei von geringer Bedeutung. Mussten nur den traurigen Job erledigen und das tote Känguru von der Straße ins Gebüsch ziehen.


Riefen sofort die Versicherung an und meldeten den Schaden. Werden erfahren was zu tun ist. Haben den Eindruck, dass Snowy weiter fahrtüchtig ist und neben der Bullbar nichts beschädigt ist.
Zu unserem Pech ist dann noch die Straße zum Nationalpark gesperrt und es wird langsam dunkel. Esperance, die nächstliegende Stadt ist noch 100 km entfernt. Suchen in dem Farmland vergebens nach einer Möglichkeit ein Camp zu finden und als wir vor einem der Felder einen Farmer sehen, sprechen wir ihn an und schildern unser Problem. Meint, das passiert im laufend und sein Auto sieht deutlich beuliger aus als Snowy. Großzügig bietet er an, dass wir unser Zelt gleich an Ort und Stelle aufbauen können oder wenn wir wollen bei Ihm neben dem Farmhaus. Wir nehmen den Platz, wo wir gerade sind, ratschen noch ein wenig und sind dann die ganze Nacht mutterseelenallein mit den Kühen.

Informieren Tom ebenfalls, dass wir mit einem Känguru kollidiert sind und Snowy beschädigt ist. Witzig ist seine Reaktion auf die Info und passt zur australischen Mentalität.
Tom: „Congratulations! You join a long list of people to have hit a kangaroo. You can call yourself Australian 🇦🇺 now.“
Die Fahrt nach Esperance am nächsten Tag verläuft problemlos und dort suchen wir gleich eine Werkstatt auf, die Snowy prüft und zu dem Ergebnis kommt, dass zwar die Bullbar ausgetauscht werden muss, Snowy sonst keinen weiteren Schaden durch den Aufprall erlitten hat. Das sind sehr gute Nachrichten und so können wir uns dem eigentlichen Ziel, den Stränden von Esperance widmen.

Und die haben es in sich. In der heutigen Zeit spricht man gerne von Superlativen, Rankings, liks, Hitlisten… Australien mit einer Küstenlänge von 26.0000 km bietet Strände in allen Facetten. Viele davon unerschlossen, rau oder lieblich und laden zum Baden ein. Auf unseren Reisen durch das Land sahen wir zahlreiche wunderschöne Strände und nehmen Abstand von Bewertungen. In jedem kann man Schönes sehen und der persönliche Geschmack ist unterschiedlich. Dennoch sind die Strände Esperance etwas besonderes, insbesondere auch durch die Ballung zahlreicher wunderschöner Strände in einem relativ kleinem Gebiet.
Wo fängt man da an. Am ersten Tag fahren wir den 45 km langen Great Ocean Drive. Die Hälfte führt am Meer entlang und gleich am ersten Strand dem Eleven Mile Beach bleiben wir länger hängen. Das Wasser könnte wärmer sein, dennoch kann Susi der Versuchung nicht widerstehen und stürzt sich in die Fluten. Thomas ist es zu kalt und genießt die tollen Aussichten lieber von Land aus. Und weiter geht es von einem tollen Strand zum nächsten. Die Twilight Cove ist besonders lieblich und besser besucht. Kein Wunder bei dem Panorama, dem klaren Wasser und den vorgelagerten Granitfelsen. Selbst ein Cappo Wagen steht davor und im Strand sitzend schmeckt das Eis und der Kaffee bei der Aussicht umso besser. Wir sind schon fast den ganzen Tag unterwegs und die Strände nehmen kein Ende. Speziell ist die Hochzeitsgesellschaft an dem welligen Chapmans Point Beach und der Blue Heaven Beach könnte nicht schöner sein. Schon fast in der Stadt kommt zum Schluss der West Beach mit einem kleinen Spaziergang.
Müde erreichen wir nach diesem eindrucksvollen Tag den CP und machen es uns gemütlich. So schön und warm wie der Tag war, abends gehen die Temperaturen unter 10° Grad runter und sind froh in den warmen Schlafsack schlupfen zu können.













Chapmans Point Beach, Esperance

Der Cape Le Grand NP ist ein weiteres Juwel bei Esperance. Wir sehen ihn uns als Tagesausflug an und es geht weiter mit den Highlights. Traumstrände ohne Ende, einer schöner als der andere und die meisten so gut wie nicht besucht.
Zuerst der wunderschöne Hellfire Beach und danach zur Lucky Bay, eine ca 5 km lange Bucht ,mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Die Lucky Bay ist das Highlight von Esperance und dementsprechend voller als die anderen Strände. Auch hier fährt man mit dem Auto auf den Strand und verbringt dort den Tag. Wir ziehen den Spaziergang bei dem teil weichen Sand vor und genießen es auf dem quietschenden Sand an dem glasklarem Wasser entlangzugehen.
Die Tage in Esperance waren wieder eindrucksvoll und wir hatten ein gute Zeit. Wie immer können wir nicht ewig bleiben und die Reise geht weiter.






Impressionen































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Veröffentlicht am 28. April 2026, in 2026, South Australia, Western Australia. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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