Alice Springs mit Überraschungen
Die Campingplätze in Alice sind alle durch hohe Zäune geschützt. Die Stadt zählt nicht zu den sichersten Plätzen Australiens, was leider oft mit Aborigines zu tun hat, die hier zahlreich leben. Viele befinden sich in einer unglücklichen Lebenssituation. Das alte Leben ist vorbei und irgendwie gelingt es vielen nicht im Leben der Weißen Fuß zu fassen. Es ist ein sehr facettenreiches Thema und schwierig für uns es richtig zu beurteilen.
Campen deshalb ein wenig außerhalb der Stadt auf einem Campingplatz in der Natur, wo es ruhig und beschaulich zu geht.
Haben wieder viel am Rechner zu erledigen und die Bibliothek bietet mal wieder einen geeigneten kühlen Ort dafür. Es liegt auch an dem näher rückenden Rückflug nach Deutschland, der ebenfalls vorbereitet werden muss. Witzig sind die zahlreichen Besucher der Bibliothek während deren Filmvorführungen. Mit Kopfhörern sitzen vorwiegend Aborigines vor der Leinwand und schauen Western Klassiker mit den alten Größen wie John Wayne, Glenn Ford, Gary Cooper… an.

Am ersten Tag in der Bibliothek hören wir plötzlich verdächtige Geräusche und das Personal wirkt nervös. Beim Blick nach draußen sehen wir ein heftiges Unwetter mit Windgeschwindigkeiten von 80 km/h und dicken Hagelkörnern. Es ist erschreckend, der Wind peitscht über die Straße und Bäume halten ihm nicht stand. Dazu noch der Hagel. Denken sofort an Snowy auf seinem Parkplatz und das Zelt mit seinen Innereien. Warten ab, bis das Unwetter nach 15 Minuten abebbt, packen die Sachen und machen uns durch die wüst aussehende Stadt auf den Weg zu Snowy.


Ein Baum in seiner Näher liegt geknickt am Boden, doch zum Glück ist Snowy nichts passiert. Die Fahrt zum Camp gleicht einem Schlachtfeld, Wasser steht auf der Straße und etliche Bäume liegen entwurzelt am Boden. Anscheinend war der Sturm in Alice heftiger als beim Camp, so dass auch dort alles in Ordnung ist. Das Wetter ist bei dieser Reise eine Herausforderung.


Der Desert Park ist eine Attraktion in Alice und verbringen dort mehrere Stunden. Auf einem 3 km langen Rundweg sehen wir Tiere Australiens in schön angelegten Gehegen. Professionelle Führer erklären mit Fachkenntnis die Tiere und deren Verhalten. Sehen Dingos, eine tolle Vogelshow, Reptilien der Wüste, und nachtaktive Tiere.



















Manche der Tiere, wie das süße Bilby können in der Wildnis nicht mehr überleben. Haben keine Verteidigungsmöglichkeit gegen die eingeschleppten und verwilderten Katzen, Füchse, Ratten und fallen ihnen in ihrem alten Lebensraum zum Opfer. Sie können nur in eingezäunten Gebieten leben, die vorher von den invasiven Arten gesäubert wurden. Der Desert Park folgt diesem Konzept und schützt freigelassene Tiere in dem Gebiet, um welches ein Zaun gezogen wurde. Innerhalb dessen geht es ihnen gut und prosperieren, draußen stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

Zwei Tage nach dem Gewitter, kein Regen und wir begeben uns wieder in die Bibliothek. Das Personal kennt uns bereits und begrüßt uns freundlich. Nachmittags das gleiche Spiel wie letztens. Der Himmel verdunkelt sich und ein Orkan bricht los. Heftiger Regen und Sturm über 80 km/h fegt über die Stadt. Das kann doch nicht wahr sein, da sind wir mitten im Zentrum von Australien, umgeben von riesigen Gebieten, die wenig Wasser erfahren und schon wieder erwischt uns ein Unwetter. Dieses mal dringt sogar Wasser über das Dach in die Bibliothek ein und muss schließen. Nachdem der Regen nachlässt macht Thomas sich auf den Weg, um Snowy vom 800 m entfernten Parkplatz zu holen.


Wieder sieht die Stadt verheerend aus. Baugerüste stürzten um, Wasser steht auf der Straße oder ist von Laub oder heruntergefallenen Ästen bedeckt, Bäume liegen gefällt am Boden und einer davon auf Snowy. Kein kleiner, sicherlich 20 m hoch und an sich weit weg von Snowy. Der Sturm hat ihn samt Wurzel zu Fall gebracht und liegt mit der Krone auf Snowy. Seine Rückseite ist beschädigt, das Glas des Canopys zerschlagen und Äste des Baumes auf dem gesamten Auto. Snowy scheint weiter fahrtüchtig zu sein, nur nicht beweglich und zuerst muss er vom Baum befreit werden.





An wen wendet man sich? Bei uns wäre es die Feuerwehr, doch die ist dafür nicht zuständig. Die Stadt Alice ebenfalls nicht, der Parkplatz gehört dem Northern Territory. Susi warte bereits nervös vor der Bibliothek, genau wie Thomas geschockt von der Situation. Die Emergency Notrufnummer ist überlastet, das Visitor Center versucht zu helfen, doch alles ohne Erfolg. Die Sonne geht in 1 ½ Stunden unter, so daß wir zusammen zu Snowy gehen, um zumindest unsere technische Ausrüstung sicher in Snowy zu verstauen. Wir sehen uns gedanklich schon in Snowy übernachten. Als wir näher kommen, scheinen Heinzelmännchen ihr gutes Werk vollbracht zu haben. Snowy wurde freigelegt und können ihn bewegen.
Ein Passant meint, wenn wir den Wagen mit dem offenen Rückfenster über Nacht hier stehen lassen würden, wäre er morgen früh leer.


Am Camp, dass zwar unter Wasser steht ist alles in Ordnung und verständigen Tom und die Versicherung. Susi trocknet die nass gewordenen Sachen und entfernt die überall im Kofferraum herumliegenden Glassplitter.




Über Nacht hängen wir eine Folie über die Rückseite, da weiterer Regen anrückt. Beraten, wie es nun weitergeht. Susi fliegt in 2 Tagen nach Adelaide und Alice mit dem offenen Kofferraum und der schlechten Sicherheitslage ist tabu. Dazu kommt, dass wir in 4 Wochen bereits im Flieger nach Hause sitzen.


Gehen am nächsten Tag das Risiko ein und fahren zu einem anderen interessanten Ort am Rande der Stadt und hoffen, dass Snowy dort sicher ist.
Die erste School of the Air weltweit startete 1951 in Alice Springs im Northern Territory in Australien. Sie ermöglichte Kindern, die weit entfernt im australischen Outback lebten, ihre sozialen Kontakte auszubauen und Unterricht über Funk zu erhalten, ohne täglich eine Schule besuchen zu müssen. Die isolierten Schüler erfuhren somit neben der Bildung auch ein Gemeinschaftsgefühl über weite Distanzen hinweg.
Nach den erfolgreichen Gründungsjahren in Australien verbreitete sich die Idee des Fernunterrichts weltweit und heute gehen Kinder in zahlreichen Ländern mit Hilfe des Fernunterricht in die Schule.
In Australien leben die meisten School of the Air Schüler mit ihren Eltern auf Rinderfarmen, Aborigine Gemeinschaften, Polizeistationen, touristischen Einrichtungen sowie Roadhäuser oder in Nationalparks. Einige Schüler melden sich bei der Schule an, während sie mit Ihren Eltern durch Australien oder durch die Welt reisen. Starlink macht die Form des Fernunterrichts heute deutlich leichter, als vor 70 Jahren, als man noch über Funk oder Post miteinander kommunizierte.
Der Unterricht für Kinder von 4 – 15 Jahre bis zur 9. Klasse ist kostenfrei und orientiert sich am australischen Lehrplan.
In Alice gibt es heute weiterhin eine School of the Air, die Interessierten wie uns bei einer Führung das System der Schule erklärt, was wir gerne annehmen.






Während Susi in Adelaide ist, erfährt Thomas von dem von Toyota empfohlenen Repairer in Mildura, dass er zwar gern die Reparatur durchführen würde, es in den zu Verfügung stehenden 2 Wochen mehr als unwahrscheinlich ist, daß dies möglich sein wird. Mehr Zeit haben wir nicht mehr. Benötigen 4 -5 Tage bis wir in Mildura sind und zur Vorbereitung des Rückfluges wollen wir eine Woche vor Abreise in Adelaide sein. Haben ein schlechtes Gewissen Tom Snowy zurückzubringen, ohne ihn vorher repariert zu haben, doch sehen wir keinen anderen Weg und informieren ihn schweren Herzens. Erwähnten schon oft, dass Tom ein phantastischer Mensch ist und uns wiederholt durch seine Großzügigkeit sprachlos machte. Auch jetzt ist seine Reaktion außergewöhnlich.
O-Ton von Tom:
„Thomas it’s no problem. Please don’t worry yourself about it.
You can drop Snowy here whenever suits you, and we can easily fix it after you return home.
It’s honestly not a big issue. If you have the claim number from the insurance company we can do the rest, no problem.
Don’t let it ruin your holiday!“
Tom erwähnt sogar, dass wir es bedauern werden, wenn wir den geplanten Birdsville Track mit seinen Attraktionen nicht fahren, nur weil Snowy beschädigt ist. Meint das Canopy hält das Durchrütteln der Schotterpiste aus, nur der Staub könnte ein Problem werden.
Ermutigt durch Toms aufmunternde Worte spielen wir mit dem Gedanken ihn doch zu fahren, nur um festzustellen, daß er entweder durch die starken Regenfälle der letzten Zeit in Queensland oder durch die ungewöhnlichen Gewitter der letzten Tage gesperrt ist und wir ihn nicht fahren können. Werden es später dennoch bedauern, doch gegen die Kapriolen der Natur kommen wir nicht an.
Susi kehrt nach 2 ½ Tagen von Adelaide zurück, wo alles prima verlief. Thomas holt Susi vom kleinen Alicer Flughafen ab und entscheiden nach all der Aufregung noch 2 Tage auf dem gemütlichen Campingplatz zu bleiben, bevor der Stuart Highway uns weiter nach Süden bringt. Grace mit ihrem Mann, die Campinghost und Goeff mit Brian, zwei Freunde über 70 machen es uns leicht zu bleiben. Goeff und Brian nehmen am jährlichen Sport Master für Senioren teil. Aus ganz Australien strömen rüstige Damen und Herren an, um mit Ehrgeiz und Spaß sich bei unterschiedlichen Disziplinen mit Gleichaltrigen zu messen. Unsere beiden Herren, die uns schon die ganze Woche begleiten, wir sie, als auch umgekehrt ins Herz geschlossen haben, beteiligen sich am Bowling Wettbewerb und schlagen sich gut. Sind ausgesprochen witzig die beiden und ratschen bei jeder Gelegenheit, wo wir uns sehen. Goeff macht zum Abschied noch sein Ziegencurry, eine Spezialität von ihm, welche nicht jedermanns Geschmack ist. Brian hatte uns bereits am morgen verlassen und fliegt gerade heim nach Sydney. Goeff morgen mit dem Auto nach Darwin, die Stadt die er mit seiner Frau auch wegen des dort herrschenden Klimas liebt. Und wir nach Mildura am bekannten Murray River.

Impressionen

























Veröffentlicht am 27. Oktober 2026, in 2026, Northern Territory, Victoria. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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